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Kunstflugerprobung DG-1000S/18m

Diesen Artikel schrieb Alwin Güntert aus Bruchsal, der als einer der Experten 
im Deutschen Segelkunstflug angesehen werden kann.

Um den Umfang der Zulassung in der Kategorie „A“ (Acrobatic) der DG-1000 mit 18m Spannweite festlegen zu können, sollte ich mit dem Prototypen erst einmal das Rückenflugverhalten und das allgemeine Handling im Kunstflug untersuchen.

Nachdem ich zuerst die harmonischen Flugeigenschaften mit 20m Spannweite testen konnte , starteten Swen und ich am 25.10.00 mit 18m Spannweite und mittlerer Schwerpunktlage (ca. 380mm) zur ersten Kunstflugerprobung.

Nach einem Schlepp auf 1500m GND erflog ich zunächst die Überziehgeschwindigkeit im Normalflug, die bei ca. 68 km/h IAS erreicht wurde.
Das Einleiten des Trudelns war durch volles Höhen- und Seitensteuer einfach.
Beim Ausleiten nach einer Umdrehung dreht die DG-1000 ca. ¼ Umdrehung nach, bevor die Drehung in nahezu senkrechter Fluglage stoppt. Das Abfangen ist einfach .

Nun wurden die Figuren der Kategorie „U“ (Utility) erprobt. Loop, Turn , Chandelle und Lazy-Eight waren mit Einleitgeschwindigkeiten von 180-200 km/h einfach zu fliegen und stellen keine ungewöhnlichen Anforderungen an den Piloten. Erstaunlicherweise ließ sich sogar mit einer Einleitgeschwindigkeit von 170km/h noch ein Loop fliegen, ohne im oberen Bereich zu „stallen“ . Der Turn lässt sich mit der klassischen Methode nur sauber fliegen, wenn bei einer Geschwindigkeit  von mind. 140 km/h das Seitenruder langsam bis zum Vollausschlag  in Drehrichtung getreten wird. Damit entspricht das Verhalten dem anderer Doppelsitzer , wie etwa der DG-500 , ASK 21 oder TWIN-Astir.  Wenn beim Übergang in die Vertikale mit Gegenseitenruder und leichtem Querruderausschlag in Drehrichtung „vorgespannt“ wird, lässt sich der Turn wesentlich sauberer fliegen und die "Fächerung" kann dann bei ca. 110-115 km/h mit vollem Seitenruderausschlag in Drehrichtung eingeleitet werden.

Nachdem diese Pflichtübungen zur vollsten Zufriedenheit abgehakt waren, konnten wir uns dem Rückenflug widmen.

<><><><><><><><>Nein - das ist KEIN echtes Foto......

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Angenehm fällt gegenüber der DG-500 auch auf, dass die Handkräfte im Höhesteuer wesentlich geringer sind und der Knüppel auf Grund der Zusatzmassen in den Steuerstangen eher von alleine nach vorne will (abhängig von der Trimmeinstellung!).

Die Überziehgeschwindigkeit im Rückenflug wird bei einem  recht hohen Anstellwinkel  und einer Fahrtanzeige von ca. 107 km/h erreicht und durch deutliches Schütteln angezeigt.

Bei weiterem Drücken geht die DG-1000 in den Sackflug . Durch Zurücknahme des Knüppels bis ca. Neutralstellung und Fahrterhöhung auf 130-140 km/h lässt sich der Rückenflug einfach weiterführen.

Durch vollen Tiefenruderausschlag und Seitenrudervollausschlag  geht die DG-1000 in das Rückentrudeln. Nach ca. ½  Umdrehung ist eine stationäre Trudellage erreicht.

Das Ausleiten durch Neutralstellung des Höhensteuers und leichtes Gegenseitenruder beendet das Rückentrudeln ohne Nachdrehen in nahezu senkrechter Fluglage und kann mühelos abgefangen werden.

Foto von Altieri FrancescoDa die Drehung beim Rückentrudeln relativ langsam erfolgt, ist der Höhenverlust wesentlich größer als beim Normaltrudeln. Erste Schätzungen ergeben ca. 120-150m/Umdrehung!

Um einen vollständigen Eindruck der Möglichkeiten mit der DG-1000 zu erlangen untersuchte ich nun, ob das Fliegen von mindestens einer halben gerissenen und gestoßenen Rolle möglich ist. Gerade Doppelsitzer mit harmlosen Flugeigenschaften und geringer Flügelzuspitzung sind nicht unbedingt zum Abreißen der Strömung bei dynamischem Überziehen zu bewegen.

Aus Horizontallage wurde mit vollem Höhen- und Seitenruderausschlag die gerissene Rolle bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h eingeleitet. Nach deutlicher Erhöhung des Anstellwinkels riss die Strömung zwar sanft , aber sauber ab und die DG-1000 drehte Rückenlage, wo die Drehung mit Nachlassen des Knüppels und leichtem Gegenseitenruder einfach gestoppt werden konnte und mit einem halben Loop die Normallage zu bringen war.

Bei der  halben gestoßenen Rolle aus Rückenlage wird wegen des geringeren Auftriebs die Geschwindigkeit etwas höher gewählt. Bei ca. 150 km/h und dem Einleiten mit vollem Tiefen- und Seitenruder reißt auch hier die Strömung sauber ab und die DG-1000 rollt in Normallage zurück. Die Drehung konnte bei diesem Versuch mit einem Neigungswinkel von ca. 25° unter dem Horizont beendet werden.
Durch weiteres Ziehen in der letzten Phase der Drehung kann dies aber sicher noch verbessert werden.

Nach diesem ersten Kunstflug mit der DG-1000/18 kann ich folgendes Resümee ziehen:

Die DG-1000 eignet sich hervorragend zum Kunstflug.

Das gutmütige Flugverhalten kommt besonders bei der Schulung zur Geltung.

Vor allem das Rückenflugverhalten ist wesentlich anspruchsloser als jenes der DG-500 Trainer (Orion).

Die weitere Kunstflugerprobung wird den genauen Umfang der zuzulassenden Figuren ergeben, die sicher unter dem Aspekt der Beherrschbarkeit durch alle Piloten erfolgen wird.

Auf jeden Fall kann jetzt schon gesagt werden, dass alle Figuren, die mit der DG-500 geflogen werden dürfen, auch mit der DG-1000 möglich und sogar einfacher zu fliegen sind !

Verfasser:  A.Güntert

ein Filmchen über einen Looping mit der DG-1000

Foto von Alexander Tummes

Alwin Güntert betreibt in Bruchsal einen Luftfahrttechnischen Betrieb
und ist deutscher Importeur der Kunstflugmaschinen "Fox" und "Swift".

Güntert + Kohlmetz GmbH, Bruchsal - Tel.: 07251 931060
www.segelflug.de/guentert.kohlmetz


Noch eine Anmerkung zu dem Thema:
Es war für uns eine echte Überraschung, dass die DG-1000 so gut im Kunstflug ist - besser als die DG-500 und etwa genauso gut wie die ASK-21. Der Grund unserer Skepsis liegt darin, dass moderne Profile mit guten Gleitleistungen im allgemeinen schlechte Rückenflugeigenschaften aufweisen. Da wir aber eine etwas "konservative" Profilauslegung gewählt hatten, ist uns ganz offensichtlich ein "Allrounder" gelungen, der neben der ausgezeichneten Gleitflugleistungen eben auch Kunstflug kann.

Wie fliegt man Kunstflugfiguren mit der DG-1000?

Sehen Sie sich im Flughandbuch den Abschnitt an, in dem die verschiedenen zugelassenen Figuren aufgeführt werden mit Hinweisen, wie sie zu fliegen sind.
Sie können sich die Seiten am Bildschirm ansehen oder herunter laden und ausdrucken. Schauen Sie nach unter
"Normale Betriebsverfahren/Kunstflug" Kapitel 4.5.8

flugh-1000s-bs-d.pdf

Beachten Sie:

Wichtiger Hinweis:

Die DG-1000S ist ein aerodynamisch hochwertiges Leistungssegelflugzeug. Dadurch ist die Fahrtzunahme im Bahnneigungsflug, vor allem im Rückenflug hoch.
Deshalb soll mit der DG-1000S nur Kunstflug geübt werden, wenn eine vorherige Einweisung durch einen Muster-erfahrenen Piloten erfolgte oder die zu übenden Figuren auf anderen Mustern sicher beherrscht werden.
Auf keinen Fall sollen die Figuren mit niedrigeren als den minimalen angegebenen Geschwindigkeiten versucht werden. Die angegebenen maximalen Einleitgeschwindigkeiten sollen aber nicht überschritten werden.

Wichtiger Hinweis:

Rudervollausschläge dürfen nur bis zur Manövergeschwindigkeit= 185 km/h getätigt werden. Bei Geschwindigkeiten zwischen 185 km/h und VNE =270 km/h sind die Ausschläge kontinuierlich zu reduzieren. Bei 270 km/h darf nur noch 1/3 des Vollausschlages gegeben werden ( s. auch Abschnitt 2.2)

Warnung:

Es dürfen nur die zugelassenen Figuren ausgeführt werden. Die zugelassene Figuren sind gültig für alle Spannweiten, aber nur ohne Wasserballast und wenn die Masse des hinteren Piloten durch Ballast im Ballastkasten in der Seitenflosse siehe Abschnitt 6.8.7 ausgeglichen wurde.
 

Zugelassene Figuren

Einleitgeschwindigkeit 

Lastvielfache

Trudeln

-

-

Looping nach oben

180 bis 200 km/h

 +4,0 g

Chandelle

180 bis 200 km/h 

+3,5 g

Kehre 

180 bis 200 km/h 

+3,5 g

Lazy Eight 

180 bis 200 km/h 

+3,5 g

Turn  

200 bis 220 km/h

+4,0

 


Abschließender Kommentar des Testpiloten zum Handbuch:

Ich denke, dass das Handbuch so bleiben kann.
Weitere Figuren sollten nicht zugelassen werden, da diese zu anspruchsvoll für die meisten Piloten sind.
Mit den zugelassenen Figuren ist auf jeden Fall eine solide Kunstflugausbildung möglich und mehr braucht es sicher nicht.

Mit diesen Möglichkeiten schlägt die DG-1000 alle übrigen auf dem Markt befindlichen Doppelsitzer !

Es macht echt Spaß, DG-1000 zu fliegen !

Alwin


Inzwischen ist auch die DG-1000 Turbo voll für Kunstflug zugelassen. Es hätte sich nicht gelohnt, eine eigene - eingeschränkte - Zulassungsprozedur zu machen, und so kann die DG-1000T nun einfach "alles":

Alwin Güntert berichtet über seine Testflüge hier:

 

 Prospekt der DG-1000 Familie

Vorsichtshalber ein Hinweis:

Das nebenstehende Bild stammt von Don Woodwards aus Australien.
Es ist ein "verunglückter Looping" und nicht der Versuch, in der 20m-Konfiguration eine Rolle zu fliegen.
Dafür ist die DG-1000 nämlich nur mit den kurzen 18m-Flügelenden zugelassen!

Bleibt noch die Frage:
Wie hoch flogen die wohl bei diesem Looping?

 

 


 


Rauchpatronen an einer DG-1000

Das folgende ist ausdrücklich keine Hersteller-Empfehlung - also Nachbau auf eigene Verantwortung:

Wir wurden von Bastian Koppen gefragt, ob eine von ihm entworfene Anbringungsmöglichkeit von Rauchpatronen für Kunstflug mit der DG-1000 realisierbar sei. Aus unserer Sicht sprach nichts dagegen.

Nun schreibt er uns:

Hallo Hr. Weber,

im Anhang finden Sie die Fotos in Original Auflösung. Die Fotos sind am vergangenen Wochenende auf unserem Flugplatzfest in "Bergneustadt Auf dem Dümpel" entstanden.
Ebenfalls habe ich die Skizze der Halterungen angehängt, die ich Hr. Dirks damals zu geschickt habe. Auf den Fotos ist die Halterung für die rechte Fläche abgebildet.
Als Rauchpatronen verwende ich das Comet Rauchsignal SOLAS 74/88.

Gruß Bastian

Dies ist die von ihm verwendete Halterung:

Einbauskizzen

und hier das Ergebnis! Schön, nicht?


 


Spiegelflug

Hier ist ein sehr ungewöhnliches Bild aus Lasham/UK.

Zwei DG-1000 im Spiegelflug, wobei die Piloten verblüfft feststellten, dass die kopfüber fliegende DG-1000 einen besseren Gleitwinkel hatte als die mit ausgefahrenem Turboantrieb. Durch teilweises Einfahren des Antriebs hätte man beide Flugzeuge exakt abgleichen können, aber diese Szene hat wohl auch so schon genug Adrenalin produziert....

Fotograf dieses spektukulären Fotos ist Paul Haliday.


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