DG Flugzeugbau GmbH / Passion, Power + Performance

LS10 im Wettbewerb

ein Bericht von Mathias Schunk, veröffentlicht im Magazin "Segelfliegen" 4/2007


Bei der letzten Deutschen Meisterschaft der 18 Meterklasse 2005 in Lüsse bin ich mit der LS8-18 im Team mit Holger Back geflogen, der bereits damals die LS10 flog. Der Teamflug klappte damals allerdings nicht wirklich so wie ich mir es vorstelle, wobei ich es damals auf die, meiner Meinung nach genialen Fähigkeiten eines Holger Backs zurückführte und nicht auf etwaige Leistungsunterschiede der Flugzeuge. Ohne die fliegerischen Qualitäten Holgers auch nur annähernd mindern zu wollen, muss ich diesbezüglich meine Meinung nach der Deutschen Meisterschaft in Zwickau, auf der ich auch LS10 geflogen bin, revidieren. Nach mittlerweile gut 70 Stunden LS10 weiß ich, dass die LS10 nicht nur ein rundum gelungenes, sehr schön zu fliegendes Flugzeug ist, sondern leistungsmäßig den anderen aktuellen 18 Meter Modellen, sagen wir es mal vorsichtig auf keinen Fall unterlegen ist!

Nach der Deutschen Meisterschaft in Lüsse wollte ich natürlich auch gerne einmal die LS10 auf einem Wettbewerb fliegen, was ich dann, nach ein paar Flügen Eingewöhnungszeit in Königsdorf, letztes Jahr auf der Südblockmeisterschaft am Klippeneck auch machen durfte. Nachdem ich bereits vor vier Jahren das Glück hatte einmal die LS10 in Königsdorf fliegen zu dürfen, fielen mir als alten LS Piloten bereits damals neben der gewohnt sehr angenehmen Sitzposition und der guten Ruderabstimmung, sofort die ureigenen LS typischen guten Flugeigenschaften auf. Denn außer meiner ersten deutschen Junioren Meisterschaft 1985 auf einem Astir bin ich praktisch nur noch LS4, LS7 und LS8 geflogen, von einigen hundert Duo Stunden einmal abgesehen. Dabei frage ich mich schon immer, was ein Konstrukteur da spezielles macht, dass man von diesem Hersteller typischen Fluggefühl der einzelnen Typen sprechen kann. Das ist ja, wie man hört bei den anderen Herstellern auch nicht anders???? Speziell die hervorragende Thermikfühligkeit, welche vor allem die LS 8 so auszeichnet fand ich in der LS10, meiner Meinung sogar noch etwas stärker wieder und da ich ein Pilot bin, der mit sehr viel Gefühl und weniger mit dem Vario fliegt, ist dies für mich eines der wesentlichsten Merkmale eines guten Segelflugzeugs. Am Klippeneck, wo es ja leider nur zwei Wertungstage gab flog ich im Team mit Armin Behrendt und Reinhard Schramme. Als ich gleich am ersten Tag meistens höher als Reinhard war, was mir zuvor in vielen hundert Stunden gemeinsamen Teamflugs mit Reinhard wirklich nur selten gelungen war, waren mir auch sofort die Flugleistungen der LS10 klar.

Daher war bei mir natürlich auch der Wunsch da die Deutsche Meisterschaft in Zwickau mit einer LS10 zu fliegen und ich möchte mich auch an dieser Stelle ganz recht herzlich für das Vertrauen der Firma DG Flugzeugbau, insbesondere von Holger Back bedanken, dass ausgerecht ich dort die einzige LS10, neben der ersten komplett von DG gebauten LS10-st, die Holger Back selbst flog, bekommen habe. Eine Woche vor der Trainingswoche bekam ich dann die LS10 zum Eingewöhnen und konnte mit ihr in der dritten Bundesliga Runde mit einem Schnitt von 138,7 km/h meinen schnellsten Bundesligaflug aller Zeiten machen, obwohl ich nur 500 kg schwer war. Positiv fand ich, dass mittlerweile auch ein NOAH eingebaut war, was meiner Meinung nach zur Pflicht für alle neuen Flugzeuge werden sollte, sofern sie nicht mit einem Gesamtrettungssystem ausgerüstet sind.

Als wir uns in Zwickau trafen und ich erstmals die Serienversion der LS10-st sah, fielen mir als Unterschied zum Prototypen sofort die DG typischen Mückiputzer Garagen auf, die ich für super gelungen halte, ebenso wie das im Rumpf integrierte Solarpanel. Als mir Holger sagte, dass er trotz eingebautem Turbo mit der neuen LS10-st ohne Wasserballast auf das gleiche Fluggewicht kommt, wie ich, war mir sofort klar, dass die weiter außen liegende Flügelteilung der Serienversion, die nun ähnlich der Trennstelle der LS8 liegt, sowie die etwas geänderten Bauweise des Flügels, ein gewaltiger Gewichtsvorteil der LS10-st gegenüber vergleichbaren Flugzeugtypen an schwachen Tagen bedeuten würde.

Im Wettbewerb flogen wir mit den beiden LS10 im engen dreier Team gemeinsam mit meinem langjährigen Teampartner Armin Behrendt, der einen Ventus 2cx flog. Aufgrund der bereits erwähnten tollen Flugeigenschaften hatte ich im Pulk mit allen anderen Flugzeugtypen, die mit flogen, immer das Gefühl, dass ich es etwas besser habe, als die anderen - ein Gefühl, dass ich von der LS8-18 von den Deutschen von vor zwei und vor vier Jahren nicht wirklich kannte! Als wir am zweiten Wertungstag durch die unvorhersehbar plötzlich sterbende Thermik nur bis auf 50 km an Zwickau herankamen und Holger trotz Turbos in den letzten mickrigen Bärten genauso gut wie ich stieg, war ich schon ein wenig auf den Turbo neidisch. Denn als ich in den Queranflug ging, sah ich Holger andrücken, den Turbo zünden und weg steigen. Als ich am Acker die Haube öffnete, hörte ich nur noch das Turbo Geräusch Richtung Zwickau dahin fliegen. Da aber unser einziger gemeinsamer Rückholer bereits unterwegs war, um Armin zu holen, wusste ich, dass der Turbo Holger nicht wirklich viel gebracht hat, denn zwei Stunden später war auch er auf meinem Acker, samt meinem Hänger?

Neben den guten Steigeigenschaften überzeugten mich auch die guten Gleitleistungen, insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten. Gerade am vorletzten Wertungstag, als sich unser Team leider im Thüringer Wald verloren hatte und ich das Team Werner Meuser, Walter Sinn und Thorsten Tacke eingeholt hatte und ich mit ihnen die letzten 150 km gemeinsam flog, hatte ich hierzu ein ?Aha Erlebnis?. Ich hatte das Glück den Endanflugbart als erster zentriert zu haben und in diesem etwa 20 Meter höher als Werner zu sein. Aufgrund der für den Prototyp herunter gesetzten maximal erlaubten Geschwindigkeit setzte ich den Endanflug relativ früh an und flog aus dem guten 2,5 Meter Bart bei wenig Sicherheit auf die letzten knapp 60 km als erster ab. Ich hielt die Fluggeschwindigkeit im gesamten Endanflug meist knapp unter dem roten Strich und wartete im Zielsprint eigentlich immer darauf, dass mich einer der anderen überholen würde, aber am Ende war ich als Erster über der Ziellinie, was für mich bedeutet, dass die LS10 auch im hohen Geschwindigkeitsbereich zumindest ?nicht unterlegen? ist, denn auf Nachfrage sagte mir Werner Meuser die gleiche Flächenbelastung von etwa 48 kg/m2 gehabt zu haben.

Am letzen Tag, als es darum ging meinen Nationalmannschaftsplatz zu sichern und Holger noch hinein zu fliegen, flogen wir wieder, wie gewohnt im Dreier Team und hofften bei der drei Stunden AAT mit der sehr harten Punkteformel und der vorhandenen Punkteabstände zum dritten und zum zweiten dies auch schaffen zu können. Als ich einmal den Bart nicht richtig erwischte, war es für Armin, der am Vortag alle Chancen auf eine vordere Gesamtplatzierung verspielt hatte, eine Selbstverständlichkeit für mich die Klappen zu ziehen, damit wir die restlichen 45 Minuten der AAT gemeinsam fliegen konnten. Auch an dieser Stelle nochmals vielen Dank an ihn, denn es hat ganz entscheidend mit zu meinen vierten Platz und damit der Qualifikation für die nächste Europameisterschaft beigetragen. Holger rutschte noch auf Rang fünf vor, aber es hat leider nicht ganz für die Nationalmannschaft gereicht, da das Team Rolf Gertzmann und Michael Möker leider genau um das besser waren als wir, was wir hätten besser sein müssen als sie. In der Gesamtwertung gibt es mit unseren Plätzen vier und fünf für die LS10, keinen anderen Flugzeugtyp, bei dem alle teilnehmenden Typen unter die top fünf geflogen sind! Ich habe auch die große Hoffnung, dass ich in zwei Jahren gemeinsam mit Holger Back auf die EM gehen kann, denn wenn Holger mit der LS10, dem in meinen Augen momentan besten 18 Meterklasse Flugzeuge am Markt, die diesjährige EM in Frankreich gewinnt, ist er als Europameister ja für die nächste Europameisterschaft rückqualifiziert?


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