DG Flugzeugbau GmbH / Passion, Power + Performance

Was Qualitätsmanagement für Segelflugzeuge bedeutet!

von Antje Weber

Immer noch ist der Begriff „Qualität“ für viele Menschen ein sehr abstraktes Wort und es fehlt an klarer Definition und eindeutiger Vorstellung. Für Segelflugzeuge gibt es jedoch einen Ausdruck, der „Qualität“ eindeutig (mit-)definiert: Sicherheit!

Die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems steht daher beinahe zwangsläufig unter der Prämisse der Sicherheitsgarantie.

 Warum ein QM-System?

Ganz allgemein kann gesagt werden, dass es zwei wesentliche Gründe gibt, die für die Einführung eines QM-Systems sprechen.

Der erste ist formeller Natur:
Jeder Luftfahrttechnische Herstellungsbetrieb muss sich nach der Vorschrift JAR 21 ab Januar 98 zertifizieren lassen. Die Zertifizierung wird vom Luftfahrtbundesamt vorgenommen. Ein zwingender Bestandteil für diese Zertifizierung ist die Einrichtung eines QM-Systems nach der Norm DIN ISO 9001ff.

Der zweite Grund dagegen hat eher subjektiven Charakter: Ein QM-System fördert die Ziele einer Unternehmung hinsichtlich Fehlerfreiheit und Prozessoptimierung. Für die Herstellung von Segelflugzeugen kann dieser allgemein gehaltene zweite Grund noch weiter spezialisiert werden.

Ein Segelflugzeug ist ein hochwertiges High-Tech-Produkt, welches in Handarbeit hergestellt wird. Selbst wenn von einem Muster mehrere hundert Einzelstücke gefertigt werden, kann man kaum von Serienproduktion sprechen; jedes Flugzeug ist ein Unikat.
Zur Fertigung eines solch anspruchsvollen Produkts wird ein immenses Fachwissen benötigt und jeder Mitarbeiter der Firma verfügt über ein ganz spezifisches Know-How, welches sich aus Ausbildung und Erfahrung gebildet hat. Dieses Fachwissen bildet einen kostbaren Teil des Firmenkapitals und es liegt im Interesse der Unternehmung, den Zugang zu diesem Fachwissen langfristig zu sichern. Ein QM-System bietet die Möglichkeit (durch Dokumentation) Erfahrungsschätze und Know-How zu sammeln und für alle Mitarbeiter zu veröffentlichen. Das in der Firma vorhandene Wissen wird schriftlich festgehalten, strukturiert und für alle zugänglich aufbewahrt. Die Gefahr des Verlustes ist damit eingeschränkt, wenn nicht sogar weitgehend aufgehoben.

Zudem kann das Erfahrungs- und Ausbildungsniveau aller Mitarbeiter angeglichen werden. Die Weitergabe von Kniffen, Tricks und Erfahrungsschätzen in schriftlichen Dokumenten - z. B. an Neulinge - erleichtert und verkürzt deren Einarbeitungszeit, da Fehler von vorne herein vermieden werden können.

Es bleibt jedoch festzuhalten: Die Dokumentation von Arbeitsabläufen im Rahmen eines QM-Systems unterstützt die Arbeit eines jeden Mitarbeiters, insbesondere bei neuen Handgriffen. Sie kann aber keinesfalls das Üben ersetzen!

Da es sich bei Segelflugzeugen nun eindeutig um handwerklich gefertigte Einzelprodukte handelt, zu deren Herstellung Menschen tätig werden, können sich nur allzu leicht auch Fehler einschleichen. Fehler sind an sich nicht schlimm, insbesondere dann nicht, wenn man aus ihnen lernen kann. Bei Segelflugzeugen können Fehler dagegen fatale Folgen haben. Letztendlich hängt ein Menschenleben von der Qualität des Produktes ab, das Leben des Piloten. Dieses Leben gilt es unter allen Umständen zu schützen und nicht zu gefährden. Fehler im Produktionsprozess sind daher unbedingt zu vermeiden. Fehlerfreiheit des Produkts (des Flugzeugs) ist oberste Maxime.

Um dieses Ziel zu erreichen, kann ein Qualitätsmanagementsystem einen wertvollen Beitrag leisten. Im Rahmen eines solchen Systems wird alljährlich eine Betriebsanalyse durchgeführt. Das bedeutet, dass alle Arbeitsweisen und Prozesse, alle Werkzeuge und Hilfsmittel auf ihre Tauglichkeit und Funktionstüchtigkeit hin überprüft werden. Ein QM-System kann helfen, Fehlerquellen, ineffiziente Prozesse oder Wissenslücken aufzudecken und zu beheben. Angenehme Nebenwirkungen wie Kostenreduktion durch Prozessoptimierung, etc. werden bei dieser Gelegenheit auch erreicht.

Die Vorgehensweise bei DG Flugzeugbau

Die einfachste und sicherlich auch die sinnvollste Methode, ein  QM-System einzurichten, ist zunächst eine gründliche Betriebsanalyse. Man nehme sich vier Wochen Zeit und eine große Checkliste mit Aspekten, die man gerne prüfen möchte und gehe damit in aller Ruhe und mit offenen Augen durch den Betrieb. Ein Außenstehender hat immer den Vorteil, dass er nicht unter Betriebsblindheit leidet und dadurch relativ schnell und leicht Schwachstellen auffinden kann.

Der erste Schritt im QM-System war anschließend die Erstellung noch fehlender Dokumente. Mit Block und Bleistift bewaffnet begann die Runde durch die Produktion. Wochenlang wurden die Arbeitsweisen der gut eingearbeiteten Mitarbeiter beobachtet und protokolliert. Auf diese Weise entstanden Arbeitspläne für jeweils bestimmte Bereiche der Flugzeugherstellung (z. Bsp. ein Arbeitsplan für die Bearbeitung des Cockpits, einer für die Arbeiten im Rohbau und so fort).

Die Arbeitspläne wurden dann von den Mitarbeitern selbst gründlich gegengelesen und korrigiert, erst dann wurden sie der Konstruktion zur weiteren Korrektur übergeben. Mit der Zeit entstand so ein Gerüst von Arbeitsplänen für jede Abteilung. Diese Pläne sollen weniger gut eingearbeiteten und neuen Mitarbeitern als Hilfe und Unterstützung an die Hand gegeben werden, damit Tipps und Tricks jedem während der Arbeit zur Verfügung stehen.
Die Arbeitspläne galten ausschließlich für die Produktion.

Ganz ähnlich wird jedoch auch in der Verwaltung verfahren. Dort stellen sich z. Bsp. folgende Fragen:
Wie behandelt man einen Kunden? Was ist bei der Erstellung von Angeboten zu beachten? Wie werden Serviceleistungen durchgeführt? Etc., etc.?

Für solche Fragen wurden eine Vielzahl von Verfahrensanweisungen erstellt. Solche VA’s enthalten Regeln, Vorschriften und Richtlinien, wie bestimmte Prozesse im Unternehmen ablaufen sollen oder sogar müssen. Verhaltensrichtlinien und Regeln sind jedoch schlecht durch reine Beobachtung zu protokollieren, sie wurden daher vielmehr in Diskussionsrunden mit den betroffenen Mitarbeitern und beruhend auf Plausibilitätsüberlegungen erstellt.

Die "Krone" eines QM-Systems bildet letztendlich das Qualitätshandbuch. Dieses Buch enthält allgemeine Standards, wie das Unternehmen Qualität definiert und welche Qualitätsprämissen es sich selber setzt und verfolgt.

Das rein formale Gerüst für eine Zertifizierung nach einer Qualitätsnorm war damit erstellt. Qualität bedeutet jedoch lange nicht nur das Erstellen und Pflegen von Dokumenten.

Qualität als gelebte Philosophie

Qualität muss als ein Prozess verstanden werden, der nie zu Ende geht. Eine Firma muss immer und immer wieder sich selber durchleuchten, seine Verfahren kontrollieren und versuchen seine Abläufe zu verbessern. Für DG Flugzeugbau bedeutet das, nun nach dem ersten Schritt zum QM-System dieses kontinuierlich und systematisch weiterzuführen und zu erweitern. Die erreichten Verbesserungen dürfen nicht wieder einschlafen, sonst gehen die erreichten Fortschritte  wieder verloren. Nur Einführen ist nicht genug, auf das Weitermachen kommt es an.

Ob und wie sich das QM-System bei DG Flugzeugbau zukünftig entwickelt, hängt daher wesentlich von der Motivation der Mitarbeiter ab und zwar von jedem Mitarbeiter, ganz besonders jedoch von den Führungskräften. Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen, Fehler sofort bei deren Auftreten korrigieren und auf die Einhaltung aller vereinbarten Regeln achten.
UND: Sie müssen sich vor allen Dingen selbst an die Regeln halten!

Kehren wir noch mal zum Anfang dieses Artikels zurück: Wofür überhaupt Qualität?

Qualität bedeutet, die Sicherheit des Produktes zu erhöhen und eine Fehlerquote von Null anzustreben. Nur so kann ein bestmöglicher Schutz des Piloten erreicht werden.
Die Qualität der Segelflugzeuge von DG Flugzeugbau ist eine Garantie für die Sicherheit von Menschenleben.

DG Flugzeugbau bietet höchste Qualität und damit auch höchste Sicherheit!



Angewandtes Qualitäts-Managment

Ach, könnten Sie mir vielleicht gestatten, wenigstens einmal ein bisschen Werbung für unser Unternehmen zu machen, dann könnte ich nämliche eine Geschichte wiedergeben, die sich so im Frühjahr 2000 ereignete:

Die Qualität unserer Produkte ist auch in den letzten Jahren weiter besser geworden. Dennoch kämpfen wir nach wie vor vor allem mit dem Problem, dass uns Defekte durch unzuverlässige Teile unserer Vorlieferanten passieren. Vieles können wir ja durch eine sorgfältige Wareneingangskontrolle rechtzeitig heraus finden, aber komplette Aggregate können wir natürlich nicht aufschrauben und zum Beispiel bei unseren Hauben liegt der Fall noch anders:

Diese Hauben werden beim Hersteller geprüft und dann mit einem dicken Schutzlack überzogen, damit sie während des Einbaus nicht versehentlich verkratzt werden. Dieses Verfahren hat sich im Grunde über Jahrzehnte bewährt - hat aber natürlich zur Folge, dass wir keinerlei Wareneingangskontrolle bei den Hauben durchführen können.

Während ich persönlich zu einem Fliegerurlaub in Südfrankreich war, wurde wieder ein Flugzeug fertig und mit dem Kunden schon der Übergabetermin vereinbart. Als eine der letzten Arbeiten entfernte man den Schutzlack von der Haube und der Prüfer bemerkte sofort leichte Schlieren im Plexiglas. Sie waren nicht schlimm, aber immerhin sichtbar - ein Grenzfall eben.

Der Abteilungsleiter "A" wurde gerufen, wiegte bedenklich den Kopf und dachte laut darüber nach, ob er als Kunde sich diese Haube gefallen lassen würde.
Der Abteilungsleiter "B" kam zufällig hinzu und wurde ebenfalls gefragt. Er meinte, es sei wirklich ein Grenzfall und die meisten Kunden würde das sicher akzeptieren. Wenn der Kunde reklamiere, können man ja immer noch die Haube wieder herunter reißen. Denn dass das eine gewaltige Arbeit wäre und natürlich wieder den Übergabetermin ungültig werden ließe, war jedem klar.
So beschloss man, das Flugzeug fertig zu stellen und die Entscheidung dem Kunden zu überlassen.

Der Einflugbericht enthielt natürlich den Vermerk "Schlieren in der Haube". Das sah der Abteilungsleiter "C", sah sich die Maschine an und fällte eine ganz und gar undemokratische Entscheidung:
"Nein! Dieses Flugzeug liefere ich nicht aus! Ich habe hinterher das Theater mit dem Kunden, der mir womöglich Vorwürfe macht, dass er ein zweites Mal zur Abholung kommen muss. Wir bauen wahrhaftig teure Flieger - da hat der Kunde auch das Recht, mindestens perfekte Qualität zu bekommen!"

Bevor man mich in Frankreich anrief, hat man selbst entschieden, die Haube zu erneuern. Der Kunde wurde informiert, dass wir den Fehler nicht vorher hatten sehen können und war mit der Verschiebung einverstanden.

Später hat dann der Lieferant zugestanden, nicht nur die defekte Haube zu ersetzen sondern als Teilausgleich für unsere Arbeit eine zweite kostenlos zu liefern. So ist wenigsten ein Teil des uns entstandenen Schadens kompensiert.

Ich selbst hörte erst davon, als "alles gelaufen" war und wurde um Stellungnahme gebeten. Sie können sich meine Meinung vorstellen.

Und was ist nun das Ergebnis:
 

- friedel weber -

 

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